Pressemeldung

Bosch Health Campus setzt Impuls für Reform der Primärversorgung

Die aktuelle Lage des Gesundheitssystems in Deutschland ist geprägt von zunehmendem Fachkräftemangel, einer alternden Bevölkerung und steigenden Versorgungsbedarfen. Mit Blick auf den anlaufenden Gesetzgebungsprozess und die zunehmenden Belastungen des Gesundheitssystems legt der Bosch Health Campus ein Positionspapier zur nachhaltigen Weiterentwicklung der Primärversorgung vor. 

Angesichts wachsender Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung plädiert der Bosch Health Campus (BHC) für einen grundlegenden Umbau der Primärversorgung in Deutschland. Ziel ist ein integriertes, multiprofessionelles und digital gestütztes Primärversorgungssystem, das sich konsequent an regionalen Bedarfen orientiert.

Das Papier macht deutlich: Ein rein hausärztlich zentriertes System stößt angesichts struktureller Herausforderungen zunehmend an seine Grenzen. Stattdessen spricht sich der BHC für die gesetzliche Verankerung von Primärversorgungszentren (PVZ) als eigenständige Organisationsform aus. Diese sollen multiprofessionell geführt werden, gemeinwohlorientiert ausgerichtet sein und digital vernetzt arbeiten.

Mit Blick auf anstehende gesundheitspolitische Reformprozesse betont der BHC die Dringlichkeit eindeutiger gesetzlicher Weichenstellungen: 

„Die Einführung eines integrierten Primärversorgungssystems ist eine zentrale strukturpolitische Aufgabe. Dafür braucht es klare gesetzliche Rahmenbedingungen, verlässliche Finanzierungsmodelle und den Mut, bestehende sektorale Grenzen zu überwinden“, sagt Prof. Dr. Mark Dominik Alscher, Geschäftsführer des Bosch Health Campus. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die notwendigen Weichen für eine zukunftsfähige Versorgung zu stellen.“

Konkret benennt das Positionspapier fünf zentrale Handlungsfelder: 

  1. Gesetzliche Verankerung von Primärversorgungszentren (PVZ) 
  2. Systematische Einbindung nicht-ärztlicher Gesundheitsberufe – insbesondere akademisch qualifizierter Pflegefachpersonen (Community Health Nurses) mit eigenständigen Befugnissen
  3. Digitale Transformation als strukturelle Voraussetzung (Integration von Telemedizin, digitalen Ersteinschätzungs-Tools und elektronische Patientenakte (ePA))
  4. Vernetzung mit Lebenswelten, also die strukturelle Integration von Apotheken und Betriebsärzt:innen sowie die Stärkung von Gesundheit in Kindertagesstätten und Schulen
  5. Populationsbezogene, teambasierte Finanzierung statt reiner Einzelleistungsvergütung mit Anschubfinanzierung für PVZ

„Ein rein primärärztlich zentriertes System stößt angesichts des Fachkräftemangels und der demografischen Entwicklung an seine Grenzen. Um die Versorgung auch künftig sicherzustellen, müssen wir stärker auf multiprofessionelle, integrierte Strukturen setzen", betont Dr. Katja Vonhoff, Leiterin des Robert Bosch Centrums für Innovationen im Gesundheitswesen am Bosch Health Campus.

Ein solches System könnte Hausärzt:innen spürbar entlasten, die Versorgung besser koordinieren und die Qualität für Patient:innen erhöhen – insbesondere auch in ländlichen und strukturschwachen Regionen. Gleichzeitig ließen sich durch präventive Ansätze und verbesserte Steuerung Kosten senken und Fehlversorgungen reduzieren. Damit würde ein wesentlicher Beitrag zur langfristigen Stabilisierung des Gesundheitssystems geleistet. 

Pressekontakt

Dr. Cornelia Varwig
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bosch Health Campus
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