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Wie Gene die Krebstherapie verbessern können

Ein neues europäisches Forschungsprojekt unter Leitung des Dr. Margarete Fischer-Bosch Instituts (IKP) will individuelle genetische Informationen künftig systematisch in Therapieentscheidungen bei Krebserkrankungen mit einbeziehen und so Behandlungen verbessern. Deutscher Partner des Projekts ist das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg, das seine umfassende Expertise und Daten in das Vorhaben einbringt.

Bosch Health Campus | März 2026
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Warum vertragen manche Patient:innen ein Krebsmedikament gut, während andere starke Nebenwirkungen entwickeln – obwohl sie die gleiche Therapie erhalten? Ein Grund dafür können genetische Unterschiede sein. Ein neues europäisches Forschungsprojekt unter Leitung des Dr. Margarete Fischer-Bosch Institut am Bosch Health Campus will genau diese Faktoren künftig systematisch in Therapieentscheidungen einbeziehen.

Das EU-Projekt PGxMTB untersucht, wie genetische Informationen der Patient:innen – die sogenannte Pharmakogenomik – stärker in die Behandlung von Krebs integriert werden können. Ziel ist es, Therapien besser auf den einzelnen Menschen abzustimmen und so Wirksamkeit und Verträglichkeit zu verbessern.

Wenn Gene die Wirkung von Medikamenten beeinflussen

In der modernen Onkologie werden Medikamente häufig bereits auf genetische Veränderungen im Tumor zugeschnitten. Doch auch das Erbgut der Patient:innen selbst kann entscheidend dafür sein, wie ein Medikament wirkt oder ob Nebenwirkungen auftreten.

Im Projekt PGxMTB werden deshalb mehr als 300 Gene analysiert, die Einfluss auf Wirkung und Verträglichkeit von Krebsmedikamenten und begleitende Therapien haben. Diese Informationen sollen künftig systematisch in sogenannten molekularen Tumorboards berücksichtigt werden – interdisziplinäre Konferenzen, in denen Expert:innen gemeinsam individuelle Therapieempfehlungen für Patient:innen entwickeln.

Mit der koordinierten Integration pharmakogenomischer Daten in die klinische Praxis betreten wir Neuland.

Bislang existiert in Europa keine ähnliche Initiative, die das vorsieht. Dies ist ein bedeutender Schritt, um die Therapie von Krebspatient:innen spürbar weiter zu optimieren, schwere Nebenwirkungen zu reduzieren und Behandlungen effektiver zu machen“, sagt Prof. Dr. Matthias Schwab, Projektkoordinator und Leiter des IKP sowie Geschäftsführender Direktor des NCT SüdWest.

Forschung für die Praxis

Am Projekt beteiligt sind fünf internationale wissenschaftliche Teams aus Europa. Deutscher Partner ist das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg, das klinische Expertise, diagnostische Erfahrung sowie umfangreiche Daten aus Präzisionsonkologie-Initiativen wie dem DKFZ/NCT/DKTK-MASTER-Programm einbringt. Daneben sind das Institut Gustave Roussy in Villejuif, Frankreich, das Karolinska Institut in Stockholm, Schweden, sowie das Institut für Public Health, Versorgungsforschung und Health Technology Assessment in Hall in Tirol, Österreich beteiligt.

Gemeinsam entwickelt das Konsortium digitale Werkzeuge, mit denen genetische Informationen systematisch in Therapieentscheidungen integriert werden können.

„Wir wollen die Behandlung von Krebspatientinnen und -patienten verbessern, indem wir mit unseren Partnern eine bisher weitgehend ignorierte, aber ausgesprochen wichtige biologische Ebene erschließen. Unser Ziel ist eine individualisierte und risikoadaptierte Pharmakotherapie", so Daniel Hübschmann, Leiter der Computational Oncology Group am NCT Heidelberg und der Innovation and Service Unit for Bioinformatics and Precision Medicine am DKFZ, für PGxMTB verantwortlich. Das Projekt nutzt unter anderem vorhandene Daten aus großen Präzisionsonkologie-Initiativen wie dem DKFZ/NCT/DKTK MASTER-Programm. Auf Basis dieser Daten entwickelt und erweitert das Konsortium eine bioinformatische Prozesskette. 

Patient:innen als Partner

Ein besonderes Merkmal des Projekts: Auch Patient:innen sind aktiv beteiligt. Mit der Deutschen Sarkom-Stiftung gehört eine Patientenorganisation zum Konsortium. Langfristig könnte der neue Ansatz dazu beitragen, Krebstherapien noch individueller zu gestalten – mit dem Ziel, Nebenwirkungen zu reduzieren und die Erfolgschancen der Behandlung zu erhöhen.