Vom Wissen zur Praxis: DHBW und Bosch Health Campus starten strategische Partnerschaft
Wissenschaftlich gesichertes Wissen erreicht Menschen in vulnerablen Lebenslagen und die Fachkräfte, die sie versorgen, noch zu selten. Umgekehrt fließen Bedarfe aus der Gesundheitsversorgung kaum systematisch in Leitlinien und Forschungsagenden ein. Die neu geschlossene Kooperation zwischen Dualer Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) und Bosch Health Campus soll helfen, diese Lücke zu schließen.
Stuttgart, den 30. Oktober 2026 – Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) und der Bosch Health Campus haben eine Kooperationsvereinbarung zur strategischen Partnerschaft geschlossen. Unter dem Titel „CHC-to-FIT – Connecting Community Health Care to Forschung, Innovation und Transfer“ wollen beide Partner Zukunftsthemen der wohnortnahen Gesundheitsversorgung (Community Health Care, CHC) gemeinsam identifizieren und bearbeiten. Die Partnerschaft ist als eine dauerhafte, besonders intensive Zusammenarbeit auf Augenhöhe angelegt.
Wissenschaft und Versorgungsalltag in beide Richtungen verbinden
Der Transfer zwischen wohnortnaher Versorgung, Leitlinienentwicklung, Hochschulen und Forschung ist ein zentraler, aber bislang strukturell unterentwickelter Hebel für eine bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung. Wissenschaftlich gesichertes Wissen erreicht Menschen in vulnerablen Lebenslagen und die Fachkräfte, die sie versorgen, oft zu spät und zu selten. Umgekehrt fließen Bedarfe aus der Versorgungspraxis kaum systematisch in Leitlinien und Forschungsagenden ein. Die Partnerschaft setzt an dieser Lücke an und soll Wissenschaft und Versorgungsalltag in beide Richtungen verbinden.
Die Partner arbeiten in drei Feldern eng zusammen:
Kooperative Forschung: In praxisnahen Forschungsfeldern werden die Bedarfe von Betroffenen, Angehörigen, Ärztinnen und Ärzten sowie Gesundheitsfachberufen, insbesondere Community Health Nurses und Advanced Practice Nurses, systematisch ermittelt. Leitlinienwissen soll praxisnah aufbereitet und am Point of Care verfügbar gemacht werden, etwa durch digital anschlussfähige Implementierungshilfen und laienverständliche Informationsmaterialien. Daraus sollen auch gemeinsame Drittmittelanträge entstehen.
Lehre und Weiterbildung: Studierende werden gezielt in Projekte und Publikationen eingebunden. Geplant sind gemeinsame Lehrveranstaltungen, insbesondere im Masterstudiengang Advanced Practice in Healthcare (Studienrichtung Community Health Care) und in pflegewissenschaftlichen Bachelorstudiengängen der DHBW, etwa in Modulen zur Heilkunde.
Internationalisierung: Die Partner wollen gemeinsam ausländische Studierende gewinnen und englischsprachige Lehre ausbauen.
Beide Einrichtungen bringen ihre Expertise und Stärken ein
Der Bosch Health Campus eröffnet den Zugang zu interprofessionellen Versorgungsteams und Betroffenen, den es für Bedarfserhebung, Co-Design und Erprobung unter realen Bedingungen braucht. Die Umsetzung liegt bei den Community Health Nurses Hanna Müller und Yasmin Kuhaupt im PORT Gesundheitszentrum am Bosch Health Campus. Zugleich positioniert sich der Bosch Health Campus als wissenschaftsorientierter Praxispartner für evidenzbasierte, patientenzentrierte Community Health Care.
„Eine gute Primärversorgung ist am Bedarf der Patient:innen und der besten verfügbaren Evidenz ausgerichtet. Dafür brauchen wir akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen wie Community Health Nurses, die das wissenschaftliche Wissen mitbringen und Verantwortung übernehmen. Mit der DHBW bringen wir Leitlinienwissen dorthin, wo Menschen mit chronischen Erkrankungen und komplexen Versorgungssituationen tatsächlich versorgt werden, und tragen deren Bedarfe zurück in die Forschung. So kommen wir dem Ziel näher, mehr gesunde Lebensjahre für alle zu ermöglichen“, sagt Prof. Dr. med. Mark Dominik Alscher, Geschäftsführer des Bosch Health Campus.
Die DHBW bringt ihre Expertise in der Versorgungsforschung und im Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die Praxis ein. Die koordinierende und wissenschaftlich begleitende Rolle übernimmt Prof. Dr. Marion Burckhardt, Professorin für angewandte Gesundheitswissenschaft an der DHBW Stuttgart und wissenschaftliche Leiterin des Masters Advanced Practice in Healthcare. Mit der Heilkundeübertragung werden digital verfügbare Leitlinienempfehlungen für Pflegefachberufe unmittelbar relevant. Die DHBW qualifiziert Pflegefachberufe, incl. in Heilkunde und Community Health Care, die diese Empfehlungen künftig anwenden.
„Die Stärke der DHBW liegt darin, Wissenschaft und Praxis gemeinsam mit unseren Partnern zu gestalten. Gerade in den Gesundheitswissenschaften ist dieses duale Prinzip entscheidend: Was wir lehren, erforschen und in der Weiterbildung vermitteln, muss sich an den Herausforderungen der Versorgung messen lassen. Mit dem Bosch Health Campus schaffen wir dafür eine langfristige strategische Partnerschaft, in der beide Seiten Verantwortung für bessere Lösungen übernehmen“, sagt Prof. Dr. Martina Klärle, Präsidentin der DHBW.